Sexagesimae, 23.02.2025, Karnevalsgottesdienst, Mutterhauskirche, Krogull u. Heimann

In Abrahams Team spielen alle mit: Glaubensvielfalt ist der Hit! - Büttenpredigt von Pfarrer Krogull

Liebes Jeckenvolk hier in Kaiserswerth,
erzählen will ich euch von einem besonderen Gefährt:
Am Rosenmontag, da fährt es durch die Düsseldorfer Gassen:
Wer engstirnig ist, der kann das gar nicht fassen:  


Dass mit einem gemeinsamen Karnevalswagen
auch die Religionen etwas zum Fest beitragen.
„Toleranzwagen“ hat Jaques Tilly sein Werk genannt.
Mittlerweile ist es in der ganzen Stadt bekannt.  


Mit diesem Wagen werden Juden, Muslime und wir Christen
gemeinsam zu jecken Karnevalsspezialisten.
Gläubige aus der Kirche, der Synagoge und der Moschee
werfen Kamelle für den Frieden. Ist das nicht schee?  


Ich find das super, denn das zeigt:
Wir sind einander zugeneigt.
Wir beten zu verschiedenen Zeiten,
und das tut unsere Herzen weiten.  

Die Zuneigung bringt aber nicht nur unsere Herzen in Schwung.
Auch die Beine hält sie jung! 
Ich denke an ein anderes Gemeinschafts-Projekt,
das die großen Religionen haben ausgeheckt.  


Ein interreligiöses Fußballspiel!
Das klingt vielleicht nach nicht so viel…
Doch kommt mal vorbei und schaut es euch an,
wie man zur Ehre Gottes kicken kann.  

Priester, Imame und Pfarrpersonen
pfeifen auf das Knochenschonen,
Ein jüdischer Trainer stellt uns auf:
An Himmelfahrt nimmt dieses Spektakel in Hassels seinen Lauf.  

"Team Abraham“ heißt unsere bunte Truppe.
Gewinnen ist uns meistens schnuppe.
Der Gegner hat besseres Spielermaterial.
Gegen die Fortuna ist das Ergebnis oft eine Qual.  

Doch auch ein 1-10 kann unseren Team-Spirit nicht trüben.
Wichtiger ist uns, gute Gemeinschaft einzuüben.
Denn die hat auch abseits des Fußball-Platzes Bestand.
Und Zusammenhalt ist wichtig in unserem Land.  

Das Team Abraham ist dafür ein schönes Symbol.
Den Namenspatron, ihr kennt ihn wohl?
Den Abraham aus dem Alten Testament.
Wer ihn nicht kennt, hat in Reli gepennt!  

Abraham, in seinem Namen sollen alle gesegnet sein:
Juden, Christen, Muslime: Ist das nicht fein?
Abraham, der Urvater der drei großen Religionen.
Er ist der Grund für unsere Gemeinschaftsaktionen.  

Nachfolgen sollen wir seinen Spuren
und nicht verharren in den alten Strukturen.
Denn Abraham ließ sich von Gott in ein fremdes Land senden.
Neue Verheißungen sollte er suchen, alte Bindungen beenden.  

Wie wäre es, wenn wir Gläubigen das auch heute probieren?
Es gibt viel zu gewinnen und wenig zu verlieren!
Die Ökumene kommt mir da als erstes in den Sinn.
So wie ich Jesus verstehe, ist sie die Königsdisziplin.  

Denn bei Johannes 17 steht geschrieben:
Die Christen sollen die Einheit lieben.
Die Ökumene klappt ja auch an vielen Stellen.
Und doch gibt es noch ein paar Schwellen.  

Da denke ich an die Eucharistie.
Kommt das gemeinsame Abendmahl denn nie?
Die Zeit ist reif für die ökumenische Feier.
Das lange Warten geht mir auf…den Geist! 

Vielleicht geht es ja schneller mit den Gebäuden.
Lasst uns da keine Chance vergeuden!
Gemeinsame Kirchen, Gemeindehäuser in stereo.
Ich glaub, da wäre Jesus froh.  

Und wir müssten da selber mal Toleranz wagen.
Die einen den Geruch von Weihrauch ertragen,
die anderen mal auf das Knien verzichten.
Ich bin mir sicher: das lässt sich einrichten.  

Vielleicht kriegen wir ja sogar noch mehr Einheit hin.
Ein Beispiel aus Berlin geht mir nicht aus dem Sinn.
Das „House of one“ hat man dort gebaut.
Ein Gotteshaus für Christen, Juden und Muslime man sich dort traut.  

Solche Projekte sind wichtig in diesen Zeiten,
wo manche möchten, dass wir uns streiten.
Wo viele Hass und Zwietracht stiften,
damit wir in den Faschismus driften.  

Der Elon macht den Hitler-Gruß,
der Donald redet großen Stuss.
Die Alice will ein braunes Wunderland.
Ich wünschte, sie alle hielten ihren Rand!  

Denn keine ihrer Stammtischparolen
wird uns aus den großen Problemen holen.
Der Frieden, die Wirtschaft und das Klima
werden nicht durch Extremismus prima.  

Und auch die Frage der Sicherheit
löst man nicht im plumpen Streit.
Um Terroristen die rote Karte zu zeigen,
muss man kluge Politik betreiben.  

So lasset uns beten an diesem Tag:
Für eine Wahl mit gutem Ertrag!
Für viele Menschen in den Wahllokalen.
Für Verständnis zwischen Erzrivalen.  

Für Frieden und für Demokratie,
gegen Hass und Apathie.
Für Hoffnung in unseren dunklen Tagen,
damit wir Nächstenliebe wagen.  

Karneval ist dafür ein guter Start!
Denn Lachen macht das Herz nicht hart.
Schunkeln – eine Übung in Verbundenheit.
Für ein paar Tage endet jeder Streit!  

Wenn jetzt auch noch der Kölner versteht,
wie man Karneval richtig begeht,
Nicht mit Alaaf, das ist nicht schlau.
Hier endet die Toleranz, denn es heißt: Helau!


Lesungstexte aus der hebräischen und griechischen Bibel und dem Koran

Der HERR sagte zu Abram:

„Verlass dein Land, deine Verwandtschaft

und das Haus deines Vaters!

Geh in das Land, das ich dir zeigen werde.

Ich will dich zum Stammvater

eines großen Volkes machen.

Ich will dich segnen und deinen Namen groß machen,

sodass du ein Segen sein wirst.

Ich werde segnen, die dich segnen.

Alle Völker der Erde sollen durch dich gesegnet werden.“ (Gen.12,1-3)

 

Petrus begann zu sprechen: Jetzt begreife ich wirklich, dass Gott nicht auf die Person sieht!

Wer ihn ehrt und das tut, was vor ihm recht ist,

den nimmt Gott an –

ganz gleich, aus welchem Volk er stammt.“ (Apg.10,34-35)

 

Paulus sagte auf dem Areopag in Athen:

„Gott hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen,

damit sie die Erde bewohnt.

Für jedes Volk hat er festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll.

Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen –

ob sie ihn vielleicht spüren oder entdecken können.

Denn keinem von uns ist er fern.

Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns

und haben wir unser Dasein.  (Apg.17,26-28a)

 

Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Christen und die Sabier, alle die,

die an Gott und den jüngsten Tag glauben und Gutes tun, erhalten ihren Lohn bei ihrem Herrn,

sie haben nichts zu befürchten.

(Sure 2,62)

 

Jeder hat eine Richtung, zu der er sich wendet.

So eilt zu den guten Dingen um die Wette.

Wo immer ihr euch befindet,

Gott wird euch alle zusammenbringen.

Gott hat Macht zu allen Dingen. 

(Sure 2,148)

 

Streitet mit den Leuten des Buches nur auf die beste Art, mit Ausnahme derer von ihnen, die Unrecht tun.

Und sagt: „Wir glauben an das,

was zu uns herabgesandt

und zu euch herabgesandt wurde.

Unser Gott und euer Gott ist einer.

Und ihm sind wir ergeben.“  

(Sure 29,46)


Ein Blick durchs Kaleidoskop des Glaubens – Ein paar Gedanken zur Lesung  von Pfarrerin Heimann

Drei Heilige Schriften – eine in Hebräisch, eine in Griechisch, eine in Arabisch geschrieben.
Drei Weltreligionen – Judentum, Christentum, Islam. Jede verwoben mit der Zeit ihrer Entstehung.
Jede mit einer sehr eigenen Geschichte, die von Schwierigkeiten erzählt, von Streitereien um den richtigen Glaubensweg, die richtige Auslegung der Traditionen, von Abspaltungen.

In jeder gibt es fundamentalistische Strömungen, die alle Andersdenkenden und Andersgläubigen ausgrenzen und immer wieder auch bis aufs Blut bekämpfen. Leider bis heute.
Was wiederum denjenigen in die Hände spielt, die die Religion missbrauchen, um unsere Gesellschaft zu spalten.
Dabei geht es doch in jeder echten Religion darum, den einzelnen Menschen in seinem Menschsein zu stärken, ihm Wert und Würde eines von Gott geschaffenen und gewollten Wesens zuzusprechen, das im Leben und über den Tod hinaus von Gott gehalten wird. Religion ruft zum Vertrauen auf, zum Glauben. Jeden Menschen in seiner Zeit, an seinem Ort, unter oft sehr schwierigen Umständen.

Jeder ist dabei unterwegs.
Mit Gott – und auch mit seinen Mitmenschen.
Unterwegs, um mit seinem Reden und Handeln dafür zu sorgen, dass diese Erde ein gutes Zuhause für alle Geschöpfe bleibt.

Das Urbild für die drei monotheistischen Religionen ist dabei Abram. Er ist nicht nur der Erz-Vater, sondern auch der Erz-Migrant: buchstäblich und im übertragenen Sinn.
Er verlässt seine Heimat und damit begibt er sich auch im Glauben, im Vertrauen auf Gott auf einen Weg, dessen Ziel und Ende er nicht kennt.
Jeder Lebensweg ist bei genauer Betrachtung ein Weg ins Unbekannte.

Aber jeder Weg ist ein Weg unter dem einen Himmel Gottes, der will, dass jedes Leben glückt und sich erfüllt.
Jedes Leben zu seiner Zeit, unter sehr unterschiedlichen Bedingungen, geprägt von anderen Erfahrungen.
Verschiedenheit ist von Anfang an von Gott gewollt.
Veränderung, Wandel, Vielfalt – sie sind geradezu zwingend nötig, wenn wir Schritt halten wollen mit Gott, der selbst unterwegs ist: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ „Keinem von uns ist Gott fern.“ Heißt es in der Rede des Paulus. „Gott wollte, dass die Menschen nach ihm suchen – ob sie ihn vielleicht spüren und entdecken können.“
Wir sind alle miteinander unterwegs und Suchende.

Und da, wo wir jeweils meinen, etwas Gutes und Hilfreiches entdeckt zu haben – von Gott und seinem Heilswillen, - da sollten wir es ins Gespräch bringen mit Menschen anderer Religion, die ebenfalls unterwegs und Suchende sind. Religionsübergreifende Weggefährten – das sollten alle echten Gläubigen sein, gerade in diesen konfliktreichen Zeiten. Verbunden in dem Geist, der sich in Sure 2,148 zu Wort gemeldet hat: „Jeder hat eine Richtung, zu der er sich wendet. (und das ist gut so!). So eilt zu den guten Dingen um die Wette (spornt euch gegenseitig an, das Beste eurer Tradition, eurer Religion weiterzuentwickeln, zum Besten aller Geschöpfe auf dieser Erde!). Wo immer ihr euch befindet, Gott wird euch alle zusammenbringen.“

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